Lerchenstraße 14

Ein Erinnerungsort wird zur Forschungsstätte

In der Ol­den­bur­ger Ler­chen­stra­ße 14 ist Horst Janssen auf­ge­wach­sen. In­zwi­schen wird an dem Ort sei­ner Kind­heit über sein Leben und Werk ge­forscht. Der Ver­ein der Freun­de und För­de­rer des Horst-Janssen-Mu­se­ums hat ein Sti­pen­di­um ini­ti­iert, das erst­mals an die Künstlerin Alina Helmcke ver­ge­ben wur­de.

07. April 2022

Lerchenstraße 14 um 1930
Bild: Lerchenstraße 14 um 1930, Foto: Katalogtitel
Sei­ten­wei­se hat der Zeich­ner Horst Janssen über sei­ne Kind­heit ge­schrie­ben, die er bei sei­nen Groß­el­tern in Ol­den­burg ver­brach­te. Im Rück­blick schwelg­te er ger­ne in den Er­inne­run­gen an sein Zim­mer, das zwi­schen der Kü­che und Opas Schnei­der­werk­statt lag und dass er als Ort „tief­ster Ge­müt­lich­keit und Un­an­greif­bar­keit“ be­schreibt. Die­ses Zim­mer, so Janssen, „hat­te ei­nen ab­­so­­lu­­ten Mit­tel­punkt, das war mein Git­ter­bett, in dem ich noch mit zehn Jah­ren schlief“. Auch wenn die Hun­de­hüt­te, wie man die Ol­den­bur­ger Häu­ser die­ser Bau­wei­se be­zeich­net, jüngst um­fas­send re­no­viert wur­de, hat das Haus sei­ne Au­ra als Kin­der­stu­be des Aus­nah­me­künst­lers nicht ver­lor­en. Ein idea­ler Ort um dem Künst­ler und sei­nem rei­chen Schaf­fen nach­zu­spü­ren. Das dach­ten sich auch al­le Be­tei­lig­ten, die zur Idee des neu­ar­ti­gen Sti­pen­di­ums bei­ge­tra­gen ha­ben. Schnell wur­den sich die Ideen­ge­ber, die Freun­de und För­de­rer des Horst-Janssen-Mu­se­ums, mit dem Haus­ei­gen­tü­mer Jo­han­nes Oetken ei­nig, der ei­ne der Woh­nun­gen in dem Ge­bäu­de für das en­ga­gier­te Vor­ha­ben zur Ver­fü­gung stellt. Dass in­zwi­schen die erste Sti­pen­di­atin im Hau­se an­ge­kom­men ist und mit ihrer For­schung die Kennt­nis­se über den Na­mens­ge­ber des Mu­se­ums be­reichert, da­rü­ber freu­en sich auch Dr. Jutta Moster-Hoos als wissen­schaft­li­che Lei­te­rin des Horst Janssen Mu­se­ums und Christiane Cor­des, Amts­lei­te­rin für Kul­tur, Mu­seen und Sport. Sie al­le ka­­men zur Stipp­vi­si­te.
Horst Janssen als Kind mit seiner Oma im Garten
Bild: Horst Janssen als Kind mit seiner Oma im Garten der Lerchenstraße 14, Foto: Lamme Janssen
Neun Mo­na­te dau­ert das For­schungs­sti­pen­di­um, das al­ter­nie­rend mit ei­nen Sti­pen­di­um zur Ku­ra­tie­rung ei­ner Aus­stel­lung statt­fin­den soll. Den Aus­er­wähl­ten ste­hen für ihre Ar­beit die gra­fi­sche Samm­lung des Mu­se­ums, die Da­ten­bank, die Bib­lio­thek so­wie der schrift­li­che und fo­to­gra­fi­sche Nach­lass Janssens zur Ver­fü­gung. Fe­ste Vor­ga­ben wer­den den Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten da­bei nicht ge­ge­ben. „Das For­mat des Sti­pen­di­ums ist sel­ten. So vie­le Bei­spie­le in die­ser Kon­stel­la­tion ken­ne ich in Deutsch­land nicht“, be­tont Dr. Jut­ta Moster-Hoos. Alina Helmcke hat das Haus im Ja­nu­ar be­zo­gen: „Die Woh­nung ist toll, sie ist ruhig und wun­der­schön ein­ge­rich­tet.“ Das Horst-Janssen-Museum ist ihr nicht un­be­kannt. Im ver­gan­ge­nen Jahr war die 48-Jäh­rige mit ei­ner Ar­beit in der Aus­stel­lung „Janssen ANI­MIERT“ ver­tre­ten. Im Rah­men ihres Stipendi­ums be­fasst sie sich nun mit Janssens Früh­werk und sei­ner Li­nien­füh­rung. „Ich habe mich ge­fragt, ob Janssen im­mer aus dem La­meng ge­zeich­net oder aber Vor­zeich­nun­gen sei­ner Bild­ideen ge­macht hat. Um zu schau­en, ob in sei­nen Wer­ken die Ant­wor­ten auf mei­ne Fra­gen zu fin­den sind, kann ich in das Gra­fik-Ar­chiv gehen. Das ist der Vor­teil der Nä­he zum Mu­se­um“, er­läu­tert Helmcke.
Gruppenbild
Bild: vor der Wohnung v. l. Johannes Oetken, Dr. Jutta Moster-Hoos, Inge von Danckelman, Alina Helmcke, Christiane Cordes Foto: Birgit Denizel
Inge von Danckelman, 1. Vorsitzende des För­der­ver­eins, dank­te vor al­lem dem Ol­den­bur­ger Im­mo­bi­lien­un­ter­neh­mer Jo­han­nes Oetken, der die­ser Idee von Be­ginn an po­si­tiv ge­gen­über stand, so­wie auch den Mit­glie­dern: „In das Pro­jekt sind die Bei­trä­ge von über 360 Mit­glie­dern ein­ge­flos­sen. Das zeigt auch, wel­ches ho­he bür­ger­schaft­li­che En­ga­ge­ment da­hin­ter steht, solch ein Sti­pen­dium zu er­mög­li­chen. Da­mit ent­steht nicht nur ein Mehr an For­schung. Durch das Sti­pen­di­um kann sich das Mu­se­um auch über­re­gio­nal noch­mals neu ver­net­zen. Jun­ge Wis­sen­schaft­ler und Künst­ler kom­men nach Ol­den­burg und tra­gen das Werk von Janssen von hier aus wei­ter in die Welt.“
Das En­ga­ge­ment von Jo­han­nes Oetken kommt nicht von un­ge­fähr. Sein Va­ter, Jahr­gang 1921, wohn­te in der Nach­bar­schaft und hat mit dem acht Jah­re jün­ge­ren Janssen so ei­ni­ge Mut­pro­ben ab­ge­hal­ten, die Janssen tap­fer be­stan­den hat. Oet­kens Aus­ga­be des Ka­ta­logs, der 1992 zu Janssens Ol­den­bur­ger Ehren­bür­ger­schaft her­aus­ge­ge­ben wur­de und auf der Ti­tel­sei­te das Wohn­haus der Groß­el­tern zeigt, wur­de von Janssen per­sön­lich sig­niert. Oetken wünscht der er­sten Sti­pen­di­aten, „dass der Spi­rit des Hau­ses nun sei­ne Wir­kung tut“.

Autorin

Birgit Denizel

Birgit Denizel

Birgit Denizel ist als freie Kultur- und Kunst­wis­sen­schaft­le­rin tätig.

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Infothek

For­schungs­sti­pen­dium am Horst-Janssen-Mu­se­um

Ne­ben der kosten­freien Woh­nung und dem Zu­gang zum Ma­te­rial durch das Mu­se­um be­in­hal­tet das Sti­pen­di­um ei­ne mo­nat­li­che Pau­scha­le für die Le­bens­er­hal­tungs­kosten, die vom Ver­ein der Freun­de und Förderer des Horst-Janssen-Museums getragen wird.

Mehr Informationen un­ter https://horst-janssen-museum.de/museum/stipendium/

Aline Helmcke

Aline Helmcke wur­de 1974 in Ber­lin ge­bo­ren. Sie stu­dier­te von 1995 bis 2002 an der Uni­ver­si­tät der Kün­ste Ber­lin und wur­de dort 2002 Mei­ster­schü­le­rin. An­schlie­ßend ab­sol­vier­te sie am Ro­yal Col­lege of Art in Lon­don ei­nen Ma­ster­stu­dien­gang in Ani­ma­tion. Seit April 2020 pro­mo­viert sie an der Film­uni­ver­si­tät Ba­bels­berg über das The­ma „Zeich­nen zur Zeit“. Seit 2009 ist sie in der Leh­re tä­tig, zu­letzt an der Bau­haus-Uni­ver­si­tät Wei­mar.

Mehr über Aline Helmcke un­ter https://ahelmcke.com/

Freun­de und För­de­rer des Horst-Janssen-Mu­se­ums Ol­den­burg e.V.

1997 grün­de­te sich der Ver­ein Freun­de und För­de­rer des Horst-Janssen-Mu­se­ums Ol­den­burg e.V., der in die­sem Jahr sein 25-jähri­ges Ju­bi­läum feiert. Er­ste gro­ße Auf­ga­be des Ver­eins war es, dem Sohn der Stadt ein Mu­se­um zu wid­men. Horst Janssen wurde am 14. November 1929 als Kind der Da­men­schnei­de­rin Martha Janssen aus Ol­den­burg ge­bo­ren. Sei­nen Va­ter hat er nie ken­nen­ge­lernt. Am 14. November 1992 wurde ihm in Ol­den­burg die Eh­ren­bür­ger­wür­de ver­lie­hen. Nach sei­nem Tod am 31. August 1995 in Ham­burg wur­de Janssen auf dem Ol­den­bur­ger Ger­tru­den­fried­hof bei­ge­setzt, auf dem auch seine Großeltern und seine Mutter ruhen.

Mehr über den Förderverein unter https://horst-janssen-freunde.de/

 

 

Autorin

Birgit Denizel

Birgit Denizel

Birgit Denizel ist als freie Kultur- und Kunst­wis­sen­schaft­le­rin tätig.

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