Ein Mann sitzt im Schneidersitz vor einer grünen Scheune, lächelt entspannt und hält eine Tasse in der Hand.
Leben

Kann jeder meditieren lernen?

30. Januar 2026

  

Meditation hilft nicht immer sofort beim Abschalten. Manchmal taucht erst das Gefühlschaos auf. Warum meditieren trotzdem ein Gewinn sein kann, erklären Experten.

 

Meditation gilt als Wundermittel gegen Stress, Grübeln und Daueranspannung. Einmal ruhig hinsetzen, Augen schließen – und schon stellt sich innere Stille ein? Ganz so einfach ist es oft nicht, sagen zwei Fachleute und erklären, wie der Einstieg trotzdem gelingt und warum fast jeder profitieren kann.

Die gute Nachricht vorab: Meditation lässt sich zwar in der Theorie schwer erklären, lernen kann das aber prinzipiell jeder. Man brauche „ein neugieriges Interesse, sich darauf einzulassen“, so Steffen Brandt, der als Psychotherapeut sowie Yoga- und Meditationslehrer tätig ist. Eine spirituelle Prägung sei nicht nötig.

Bewusst im gegenwärtigen Augenblick

Meditation ist eine Praxis, bei der man seine Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment richtet. Sie hat ihre Wurzeln in religiösen und weltlichen Traditionen verschiedener Kulturen und wird seit Tausenden von Jahren praktiziert. 2024 hat die UN-Generalversammlung den Weltmeditationstag ins Leben gerufen, der am 21. Dezember auf die Bedeutung von Meditation für Gesundheit und Wohlbefinden aufmerksam machen soll.

Viele kennen Meditation in Bewegung – etwa aus dem Yoga. Moderne Achtsamkeitsprogramme sind häufig säkular angelegt. Ein bekanntes Beispiel ist Stressbewältigung durch Achtsamkeit (Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR). Das achtwöchige Gruppen-Achtsamkeitstraining hat der Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn bereits in den 1970er Jahren entwickelt. Es wird etwa angewendet, um besser mit Stress umzugehen, Emotionen zu regulieren und das Wohlbefinden zu steigern. 

Martina Aßmann ist Vorstandsvorsitzende im Berufsverband der Achtsamkeitslehrenden in Deutschland (MBSR-MBCT-Verband). Wie sie erklärt, kann Meditation auch einfach bedeuten: im gegenwärtigen Augenblick bleiben und das ganz bewusst zu tun. „Und das kann in Grenzen wirklich jeder lernen“, sagt Aßmann.

Was Meditation leisten kann

Grundsätzlich könne jeder von Meditation profitieren, „weil es im eigentlichen Sinne erst mal eine konzentrative Übung ist“, so der Yoga- und Meditationslehrer Brandt. Man lerne, den Geist immer wieder auf etwas Bestimmtes auszurichten – etwa den Atem oder Körperempfindungen. Das könne „zu mehr Entspannung, Ausgeglichenheit und innerer Ruhe“ führen. Studien belegen, dass Achtsamkeit und Meditation Stress reduzieren, die Stressresilienz erhöhen und sich positiv auf Stimmung, Depressionen und Angststörungen auswirken können.

Achtsamkeitstrainerin Martina Aßmann beschreibt die Wirkung von Achtsamkeit und Meditation so: „Die gute Nachricht ist: Wir kriegen mehr mit. Die schlechte Nachricht ist: Wir kriegen mehr mit.“ Essen schmecke intensiver, man spüre die Luft auf der Haut, Freude und Verbundenheit deutlicher. „Wir kriegen aber auch mit, dass wir mal doofe Gedanken haben, dass wir Angst haben an Stellen, wo wir dachten: ‚Ach, das schaffe ich doch locker'„, so Aßmann. Im Verständnis der MBSR-Lehrenden in Deutschland geht es bei der Meditation aber darum, sich selbst besser kennenzulernen. Das beginne bei Körperempfindungen und reiche bis zu den eigenen Gefühlen und Gedanken. 

Wenn Meditation zu Lärm statt Stille führt

Wer sich der Meditation nähern möchte, macht das am besten mit realistischen Erwartungen. Steffen Brandt begegnet immer wieder der Vorstellung, Meditation sei gleichbedeutend mit Erleuchtung. „Und dann passiert das absolute Gegenteil“, so der Psychotherapeut. „Dass man erst mal feststellt, dass da eine ganze Menge an Gedankenlärm oder Gefühlschaos auftauchen, weil die Übung als Spiegel des eigenen Inneren fungiert.“ Und doch können Meditation und Achtsamkeit spürbar entlasten – vor allem, weil sie Abstand schaffen. Martina Aßmann zufolge geht es darum, sich im gegenwärtigen Augenblick „niederzulassen“, mehr vom Moment mitzubekommen und nicht sofort reagieren zu müssen.

Der Fokus auf den gegenwärtigen Augenblick nimmt den Druck, sofort handeln zu müssen. In stressigen Situationen kann man innehalten und fragen: „Was ist gerade los? Bin ich in Leib und Leben bedroht? Und erkennt dann: Nein, das ist gerade nur eine E-Mail“, beschreibt Aßmann. So trägt Achtsamkeit zur Stressreduktion bei: „Weil wir nicht sofort, wenn es juckt, kratzen oder wenn es irgendwo klingelt, aufspringen müssen.“

Vom Einsteigen und Dranbleiben

Bleibt die Frage: Wie findet man eine Praxis, die gut zu einem selbst passt? Still im Lotussitz verharren, fällt vielen erst mal schwer. Am Anfang gehe es deshalb ums Ausprobieren, sagt Steffen Brandt. Beim Einstieg können auch kostenlose Online-Angebote helfen, auf vielen Plattformen werden geführte Meditationen angeboten. „Oft ist es ja so, dass man eine Ahnung hat, wer man so ist und welcher Typ man ist. Vielleicht merkt man auch, wo es einen hinzieht“, so der Yoga- und Meditationslehrer. 

Und: Wer Meditation zur nachhaltigen Stressreduktion nutzen möchte, braucht Kontinuität. Zum Beispiel mit einer etablierten Achtsamkeitsroutine, für die man täglich eine feste Zeit bestimmt. Oder aber, indem man Achtsamkeit im Alltag übt. Etwa, indem man den Morgenkaffee bewusst und ohne Handy genießt oder in der Bahn nicht sofort aufs Smartphone schaut, sondern die Wahrnehmung bewusst auf die Umgebung richtet.

Foto: Kniel Synnatzschke/Westend61/dpa-tmn 

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Autor dieses Beitrags

Portrait Pia Marie Wenholz

Pia Marie Wenholz

Pia Marie Wenholz ist Mit­­a­r­bei­­te­­rin der Öffent­lichen Olden­burg. Sie ist ver­ant­wort­lich für den Be­reich Pres­se und Kommu­ni­ka­tion.

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