Eine Person in Handschuhen entfernt ein Wespennest von einer Decke, während ein Eimer bereitsteht.
Zuhause

Nest am Haus

7. August 2026

Was tun, wenn Wespen zu Mitbewohnern werden?

 

Sie sitzen auf der Torte, schwirren ums Gesicht – und landen schon mal im Glas Cola: Wespen sind nicht immer die zurückhaltendsten Zeitgenossen. Was hilft, wenn sie direkt ums Eck einziehen.

Wo gegessen und getrunken wird, da schwirren sie im Sommer gern herum. Das kann stören. Aber meist helfen Ruhe und etwas Gelassenheit im Umgang mit Wespen – ein friedliches Miteinander auf Zeit ist dann gut möglich. Manchmal allerdings werden die Insekten auch zu dauerhafteren Mitbewohnern oder Untermietern. Nämlich dann, wenn sie sich rund ums Haus oder im Garten ein Zuhause suchen.

„Die kugeligen, grauen, papierartigen Wespennester finden sich oft in Rollladenkästen, Mauerspalten und Hohlräumen“, sagt Martin Claus vom Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV). Ein Grund für Panik muss so ein Nest aber nicht sein – und auch nicht für Aktionismus. „Wer eines entdeckt, das nicht stört, braucht in der Regel gar nichts zu unternehmen. In zwei bis drei Meter Abstand fühlen sich die Wespen sicher und tun den Menschen nichts“, so Claus.

Oftmals friedliche Mitbewohner

Und es gibt auch positive Eigenschaften der neuen Nachbarn: „Eigentlich kann man sich freuen, Wespen im Garten zu haben. Sie bestäuben Pflanzen, fressen Stechmücken und andere Insekten“, sagt Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Werden die Wespen zu aufdringlich, könne man sie zum Beispiel fernhalten, indem man mit Nelken gespickte Zitronen oder etwas Nelkenöl verteilt. Oder man stellt in einiger Entfernung zum Esstisch eine für Wespen attraktive Nahrungsquelle auf, etwa ein Stückchen Fleisch oder etwas Süßes, um sie abzulenken.

Ohnehin lassen sich nur zwei der heimischen Wespenarten vom gedeckten Tisch anlocken. Die anderen Arten interessieren sich nicht für den menschlichen Speiseplan und stören daher wenig. Sie werden nur aggressiv, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Zu diesen wenig aufdringlichen Arten zählen beispielsweise die Feldwespe, die Mittlere Wespe und die Sächsische Wespe.

Nest nicht entfernen

Sie fühlen sich dennoch nicht ganz wohl mit dem Wespennest rund ums Haus? Dann kann es sinnvoll sein, einmal Experten draufgucken zu lassen, also etwa einen Schädlingsbekämpfer. „Der kann die Art der Wespen exakt bestimmen und das Gefahrenpotenzial einschätzen“, so Claus. Auf dieser Grundlage lassen sich dann die nächsten Schritte planen.

Entfernen darf man das Nest aber in der Regel nicht: „Das ist laut Bundesnaturschutzgesetz verboten“, sagt Kerstin Effers. Wespen stehen in Deutschland unter Naturschutz, einige Wespenarten sogar auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz können mit Bußgeldern geahndet werden.

Nur wenn etwa Allergiker oder kleine Kinder im Haus leben, die Wespen also zur Gefahr werden können, kann es Ausnahmen geben. Die Verbraucherzentralen empfehlen in solchen Fällen Kontakt etwa zum Schädlingsbekämpfer-Verband aufzunehmen. Aber auch bei der Feuerwehr, den Umweltämtern oder bei regionalen Imkern kann man Hilfe bekommen.

Ein Umzug für die Wespen?

Ein fachkundiger Schädlingsbekämpfer wird sich das Wespennest dann beispielsweise ansehen und entscheiden, wie vorzugehen ist. „Oft wird der Betrieb im Nest mit Hilfe von Kontaktinsektiziden unterbrochen“, sagt Martin Claus. Legt die Königin keine Eier mehr, bricht das gesamte soziale Gefüge des Wespenvolkes zusammen. „Dann sind zwar noch viele Tiere für einige Zeit im Außenbereich unterwegs, sterben aber nach etwa 30 Tagen ab. Da keine Larven mehr nachfolgen, wird das Nest von den Insekten aufgegeben“, erklärt der Experte.

Möglich ist auch, das Wespennest umzusiedeln. „Aber das hat seine Tücken. Eine Umsiedlung ist nicht nur ein Eingriff in das Biotop des alten Standortes, sondern bringt auch am neuen Standort das Gefüge durcheinander“, so Claus. „Deshalb ist Umsiedeln nicht unbedingt die beste Lösung.“ Von Versuchen, auf eigene Faust ein Wespennest zu entfernen, rät er in jedem Fall dringend ab. Ohne Fachkenntnis und Schutzkleidung sei das sehr gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit, gestochen zu werden, sei hoch.

Zusammenleben nur auf Zeit

Die gute Nachricht für alle, die ein Wespennest rund ums Haus vielleicht doch nicht allzu sehr erfreut: Dauerhaft zusammenleben müssen Sie mit den Insekten ohnehin nicht. Die allermeisten Wespen nutzen ihre Nester nur eine Saison lang. Und sobald die Nester nicht mehr bewohnt sind, dürfen Sie sie auch entfernen – in der Regel ab Oktober, so der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf seiner Webseite. Da das Nest nicht wieder bezogen wird, sei es dann quasi egal, was mit damit passiere.

Um einem erneuten Befall im nächsten Jahr vorzubeugen, kann man das alte Nest aber an seinem Standort lassen. Ein sicherer Schutz gegen ein neues Nest im nächsten Jahr ist das zwar nicht unbedingt: „Entgegen der landläufig verbreiteten Meinung bauen sie aber durchaus ihr neues Nest in direkter Nachbarschaft“, sagt Martin Claus. Schaden wird es aber auch nicht.

Übrigens: Die im Handel angebotenen Nest-Attrappen aus Pappe halten Wespen Claus zufolge ebenfalls nicht ab: „Sie erkennen das gar nicht als Nest, weil ihnen die optische Wahrnehmung fehlt“.

Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn

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Pia Marie Wenholz

Pia Marie Wenholz ist Mit­­a­r­bei­­te­­rin der Öffent­lichen Olden­burg. Sie ist ver­ant­wort­lich für den Be­reich Pres­se und Kommu­ni­ka­tion.

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