Die drei Protagonisten beim Gezeitenkonzert 2026
Kultur und Sport

Gezeitenkonzert auf Gut Horn

1. Juni 2026

Vielfältige Klangsprachen vor historischem Ambiente.

 

Die Pianistin Lilit Grigoryan, frisch berufene Professorin an der Musikhochschule Rostock, ist fast schon ein Dauergast bei den Gezeitenkonzerten und seit Gründung des Festivals Teil der Künstlerfamilie. Gemeinsam mit der Violinistin Liv Migdal und dem Cellisten Ofer Canetti gestaltete sie am 27. Mai 2026 einen besonderen Kammermusikabend auf dem malerischen Gut Horn Gristede. 

  

Im Zentrum des Programms stand die faszinierende Klangsprache Paul Ben-Haims. 1897 als Paul Frankenburger in München geboren, emigrierte er 1933 nach Tel Aviv. Dort schuf er eine neue musikalische Identität, in der sich europäische Kompositionsmethodik harmonisch mit jüdischen und orientalischen Traditionen verbindet. Für Liv Migdal ist diese Musik tief erfahrbar: „Seine Klangsprache hat mich beim ersten Hören bis ins Mark getroffen.“ Zu hören waren neben dem Klaviertrio auch die „Three Songs Without Words“ – vom Komponisten als „Tongemälde mit orientalischer Gestimmtheit“ bezeichnet – sowie weitere Kammerstücke, die musikalisch zwischen Sehnsucht, Erinnerung und einer neuen Heimat oszillieren. Dem stellte das Trio Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüber. Neben ausgewählten „Liedern ohne Worte“ erklang das berühmte Trio d-Moll op. 49. Robert Schumann feierte es einst in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als „Meistertrio der Gegenwart“ und nannte Mendelssohn den „Mozart des 19. Jahrhunderts“. Ähnlich wie Ben-Haim bewegte sich auch Mendelssohn zeit seines Lebens zwischen den Welten – zwischen seiner jüdischen Herkunft und der Anpassung an die christlich-bürgerliche Norm. 

In der intimen Atmosphäre von Gut Horn wurde das musikalische Erbe beider Komponisten nicht als Relikt, sondern als berührende, lebendige Stimme für die Gegenwart neu entdeckt. Migdal, Canetti und Grigoryan interpretierten das anspruchsvolle Repertoire mit einer derart atemberaubenden Intensität, dass insbesondere die vielschichte Musik Ben-Haims zu einer spannenden Entdeckung für die begeisterten Konzertbesucher wurde. Diese bedankten sich mit stehenden Ovationen bei den Musikern. 

Gerne hat sich die Kulturstiftung Öffentliche Versicherungen Oldenburg an diesem Konzert-Highlight beteiligt. 

Das Konzert wurde vom NDR aufgezeichnet und wird am 12. Juli 2026 um 13:00 Uhr auf NDR Kultur gesendet. Auszüge des Konzerts werden außerdem im Rahmen des ARD Radiofestivals am 20. Juli 2026 gesendet.

Die diesjährigen Gezeitenkonzerte dauern noch bis zum 12. Juli und bieten unter dem Motto „Begegnungen!“ insgesamt 42 Konzerte auf der gesamten ostfriesischen Halbinsel. Die Mischung aus Kammermusik, Orchesterkonzerten, Wort-Musik-Programmen, Jazz, Folklore sowie speziellen Kinder- und Jugendangeboten, mit zahlreichen Weltstars, renommierten Ensembles und herausragenden jungen Gipfelstürmern verspricht ein besonders facettenreiches Festival. Zu erleben sind unter anderen prominente Klassik-Stars wie Geiger Christian Tetzlaff oder Pianistin Elisabeth Leonskaja sowie hochklassige Klangkörper wie die NDR Radiophilharmonie, die Deutsche Kammerakademie Neuss oder die Neue Philharmonie Westfalen. Jenseits der Klassik kann sich das Publikum auf den Kabarettisten Christian Ehring, Jazzsängerin Maya Fadeeva, die Folkband CARA, Weltmusik von Quadro Nuevo oder den britischen Soul-Gentleman Myles Sanko freuen. 

Karten und Infos zur weiteren Veranstaltungen gibt es unter www.gezeitenkonzerte.com.

Text: Ostfriesischen Landschaft – Gezeitenkonzerte

Impressionen des Konzertes

Fotos: Karlheinz Krämer 

Violinistin Liv Migdal bei dem Gezeitenkonzert
 

Violinistin Liv Migdal

Cellist Ofer Canetti bei dem Gezeitenkonzert
 

Cellist Ofer Canetti

Pianistin Lilit Grigoryan bei dem Gezeitenkonzert
 

Pianistin Lilit Grigoryan

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