

Frauen auf Führungsposten sind wichtig
29. Oktober 2026Tanja-Vera Asmussen ist seit einem Dreivierteljahr Vorstandsvorsitzende der LzO – als erste Frau in der LzO-Geschichte. „Wir sind Nähe“, das Magazin der Öffentlichen Oldenburg, hat mit ihr hierüber, über das Geschäft der Sparkasse und das Wirtschaftsumfeld gesprochen.
Wir sind Nähe: Sie sind seit einem Dreivierteljahr Chefin der LzO. Was hat sich für Sie persönlich verändert – und ich meine jetzt nicht das veränderte Aufgabenspektrum?
Tanja-Vera Asmussen: Ich würde sagen, dass ich heute noch einmal bewusster wahrnehme, wie viel Verantwortung mit dieser Aufgabe verbunden ist. Es geht ja nicht nur um Zahlen, Strategien und Entscheidungen. Es geht vor allem um die Menschen, die hinter unserer Sparkasse stehen – unsere Kundinnen und Kunden, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Menschen in der Region, für die wir da sind. Mir ist wichtig, dass wir als LzO nahbar bleiben und dass unsere Entscheidungen auch im Alltag einen Unterschied machen. Das beschäftigt mich schon sehr.
Wir sind Nähe: Sie waren vorher schon stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Gab es trotzdem etwas, was Sie in Ihrer neuen Position überrascht hat?
Asmussen: Überrascht hat mich weniger etwas Bestimmtes als vielmehr die Vielfalt der Themen, die gleichzeitig auf dem Tisch liegen. Die LzO ist eine große Sparkasse mit vielen unterschiedlichen Aufgaben und einem breiten gesellschaftlichen Auftrag. Da geht es um die Finanzierung von Unternehmen ebenso wie um die Geldanlage von Privatkunden, um unsere Beschäftigten, die Digitalisierung oder unser Engagement für die Region. Das alles zusammenzudenken, ist anspruchsvoll. Gleichzeitig macht genau diese Vielfalt die Aufgabe für mich so interessant. Und ich erlebe, dass wir viele engagierte Kolleginnen und Kollegen haben, die mit großer Kompetenz und viel Herzblut bei der Sache sind. Das ist eine gute Grundlage.
Bild: Tanja-Vera Asmussen. Foto: LzO/Mittwollen
Wir sind Nähe: Spielt es für Sie eine Rolle, dass Sie die erste Frau an der LzO-Spitze sind?
Asmussen: Natürlich ist mir bewusst, dass ich die erste Frau in dieser Position bin. Ich sehe das als etwas Besonderes, aber nicht als etwas, das meine tägliche Arbeit bestimmen sollte. Am Ende geht es darum, Verantwortung zu übernehmen, gute Entscheidungen zu treffen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen etwas zu bewegen. Dafür zählen aus meiner Sicht vor allem die fachliche Kompetenz, die Haltung und der Umgang miteinander. Wenn meine Berufung dazu beiträgt, dass sich auch andere Frauen Führungsaufgaben zutrauen, freue ich mich sehr.
Wir sind Nähe: Ist es für Sie wichtig, dass mehr Frauen in absolute Führungspositionen in Unternehmen berufen werden?
Asmussen: Ja, das ist mir wichtig. Nicht, weil Frauen grundsätzlich besser führen würden als Männer, sondern weil Unternehmen davon profitieren, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Fähigkeiten zusammenkommen. Dafür müssen Frauen die gleichen Chancen haben, Verantwortung zu übernehmen und sich weiterzuentwickeln. Es braucht faire Auswahlverfahren, gute Entwicklungsmöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, in der sich Führungsverantwortung mit unterschiedlichen Lebenssituationen vereinbaren lässt. Entscheidend ist für mich, dass wir Talente erkennen und fördern – und zwar unabhängig vom Geschlecht.
Wir sind Nähe: Nun zum Geschäft. Wie hat es sich bei der LzO in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 entwickelt?
Asmussen: Wir sind mit der Entwicklung der LzO zufrieden. In unseren wesentlichen Geschäftsfeldern sehen wir gute Wachstumsraten. Das gilt sowohl für die Kreditnachfrage als auch für das Wertpapiergeschäft und die Gewinnung neuer Kundinnen und Kunden. Gerade bei der Finanzierung von Unternehmen und privaten Vorhaben zeigt sich, dass wir als verlässliche Partnerin gebraucht werden. Auch bei der Geldanlage nehmen uns die Menschen als Ansprechpartnerin wahr.
Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll. Umso mehr freut es mich, dass wir uns in unserem Geschäftsgebiet gut entwickeln. Dahinter stehen viele gute Gespräche und eine engagierte Beratung durch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – persönlich vor Ort ebenso wie über digitale Beratungsangebote. So können unsere Kundinnen und Kunden den Weg wählen, der am besten zu ihren Bedürfnissen passt. Für mich zählt nicht allein, dass wir wachsen, sondern dass wir dieses Wachstum auf einer soliden Grundlage erreichen und unsere Kundinnen und Kunden langfristig begleiten.
Wir sind Nähe: Verunsicherung ist ein Begriff, der es gut zum Wort des Jahres schaffen könnte. Spürt die LzO dies auch bei ihrer Kundschaft?
Asmussen: Ja, natürlich spüren wir das. Die Menschen verfolgen sehr genau, was wirtschaftlich und politisch passiert. Manche fragen sich, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist, andere überlegen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine größere Anschaffung oder eine Immobilienfinanzierung ist. Bei der Geldanlage wiederum geht es oft darum, wie sich das eigene Vermögen möglichst gut und zugleich passend zur persönlichen Situation entwickeln lässt.
Ich finde es deshalb wichtig, dass wir nicht einfach nur Produkte anbieten, sondern zuhören und Orientierung geben. Nicht jede Entscheidung muss sofort getroffen werden. Manchmal hilft es schon, die eigenen Möglichkeiten in Ruhe durchzusprechen und die Dinge einzuordnen. Gerade in unsicheren Zeiten ist eine verlässliche Beratung besonders wertvoll. Und wir erleben durchaus, dass viele Menschen ihre Vorhaben weiterverfolgen, wenn die Rahmenbedingungen für sie stimmen.
Wir sind Nähe: Die schwache Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre führt derzeit zu steigenden Insolvenzzahlen. Hat die LzO deswegen ihre Risikovorsorge im Kreditbereich erhöht?
Asmussen: Wir beobachten die wirtschaftliche Lage unserer Firmenkunden sehr aufmerksam. Die vergangenen Jahre haben viele Unternehmen gefordert, und natürlich bleiben steigende Insolvenzzahlen nicht ohne Auswirkungen auf die Kreditwirtschaft. Entscheidend ist allerdings, die Situation differenziert zu betrachten. Die Entwicklung einzelner Branchen und Unternehmen fällt sehr unterschiedlich aus.
Wir prüfen unsere Kreditengagements sorgfältig und bilden Risiken angemessen ab. Dabei hilft uns, dass wir unsere Kundinnen und Kunden und die wirtschaftlichen Verhältnisse in unserer Region gut kennen. Insgesamt ist unsere Risikosituation beherrschbar. Wir haben die Risiken im Blick und verfügen über eine solide Grundlage, um auch mit anspruchsvolleren Rahmenbedingungen umzugehen. Das ist wichtig, denn wir wollen Unternehmen und Privatpersonen auch künftig verlässlich finanzieren können.
Wir sind Nähe: Inzwischen hellt sich der Konjunkturhimmel etwas auf. Welche Signale empfangen Sie aus Ihrer Unternehmenskundschaft?
Asmussen: Wir nehmen wahr, dass viele Unternehmen trotz der schwierigen vergangenen Jahre nach vorn schauen und investieren wollen. Natürlich wird genauer gerechnet als vielleicht noch vor einigen Jahren. Investitionen müssen sich wirtschaftlich tragen, und manche Vorhaben werden deshalb zeitlich verschoben oder in mehreren Schritten umgesetzt. Gleichzeitig gibt es einen großen Bedarf, etwa bei der Modernisierung von Produktionsanlagen, bei der Digitalisierung oder bei der energetischen Erneuerung von Gebäuden.
Für uns als Sparkasse ist es wichtig, diese Vorhaben zu begleiten. Wir kennen viele Unternehmen über lange Zeiträume und können ihre Situation deshalb gut einordnen. Das schafft Vertrauen auf beiden Seiten. Ich würde noch nicht von einer umfassenden wirtschaftlichen Erholung sprechen. Aber wir sehen durchaus Chancen und Unternehmen, die bereit sind, diese zu nutzen. Das stimmt mich zuversichtlich.
Bild: Die Zentrale der LzO in Oldenburg. Foto: LzO
Wir sind Nähe: Ausgerechnet in dieser Phase steigen jetzt die Zinsen und machen Kredite teurer. Spürt die LzO das – etwa bei der Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen?
Asmussen: Die Zinsen spielen bei Immobilienfinanzierungen natürlich eine wichtige Rolle. Für viele Menschen ist der Kauf einer Immobilie die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Da kommt es auf jeden Euro an, und die monatliche Belastung muss dauerhaft zum Einkommen passen. Steigende Finanzierungskosten können deshalb dazu führen, dass Kaufinteressenten ihre Pläne noch einmal durchrechnen oder zunächst etwas kleinere Objekte in den Blick nehmen.
Gleichzeitig ist der Wunsch nach den eigenen vier Wänden nach wie vor da. Wir sehen, dass sich Menschen mit dem Thema beschäftigen und nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Entscheidend sind neben den Zinsen auch die Immobilienpreise, das verfügbare Eigenkapital und die persönliche Lebenssituation. Wir unterstützen unsere Kundinnen und Kunden dabei, eine Finanzierung zu finden, die langfristig tragfähig ist. Denn es bringt niemandem etwas, wenn ein Kredit heute möglich ist, die monatliche Belastung aber auf Dauer zu hoch ausfällt.
Wir sind Nähe: Stellt die LzO bei den Sparern schon eine Reaktion auf die steigenden Zinsen fest?
Asmussen: Die Menschen achten sehr genau darauf, welche Möglichkeiten ihnen die verschiedenen Anlageformen bieten. Wenn sich die Zinsen verändern, wird natürlich auch geprüft, ob Tagesgeld, Sparkassenbrief oder andere Anlageformen wieder interessanter werden. Gleichzeitig stellen wir fest, dass viele Kundinnen und Kunden langfristiger denken und sich mit Wertpapieren beschäftigen. Sie bieten die Chance, Vermögen langfristig aufzubauen und sich bei der Geldanlage unabhängiger von der aktuellen Zinsentwicklung zu machen.
Aus meiner Sicht gibt es nicht die eine richtige Geldanlage für alle. Wer Geld kurzfristig verfügbar halten möchte, braucht andere Lösungen als jemand, der für das Alter vorsorgt oder langfristig Vermögen aufbauen will. Wichtig ist, die eigenen Ziele und den Anlagehorizont im Blick zu behalten und die Anlageentscheidung nicht allein von der aktuellen Zinsentwicklung abhängig zu machen. Genau dabei können unsere Beraterinnen und Berater unterstützen und gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden eine passende Anlagestrategie entwickeln.
Wir sind Nähe: Noch eine ganz konkrete Frage. Was rät mir Ihr Anlageberater, wenn ich Geld aus einer Erbschaft – sagen wir mal 50.000 Euro – jetzt anlegen will, das Geld aber, wenn ich in drei Jahren in Rente gehe, nach und nach für die eine oder andere Reise verfügbar haben will?
Asmussen: Zunächst einmal würde ich Ihnen einige Fragen stellen. Denn 50.000 Euro sind eine ordentliche Summe, und es wäre schade, sie einfach irgendwo anzulegen, ohne sich vorher Gedanken darüber zu machen, was Sie damit erreichen möchten.
Wenn Sie in drei Jahren in Rente gehen und sich dann nach und nach Reisen ermöglichen wollen, ist die Verfügbarkeit des Geldes besonders wichtig. Es sollte also ein Teil so angelegt sein, dass Sie jederzeit oder zu einem passenden Zeitpunkt darauf zugreifen können. Für den Teil, den Sie voraussichtlich erst später benötigen, könnten auch andere Anlageformen infrage kommen. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass Wertpapieranlagen zwischenzeitlich im Wert schwanken können und sich nicht für jeden Verwendungszweck eignen.
Ich würde deshalb gemeinsam mit Ihnen schauen: Welche Reisen haben Sie im Kopf? Wie viel Geld möchten Sie dafür ungefähr einplanen? Gibt es weitere Rücklagen, und wie sieht Ihre finanzielle Situation im Ruhestand aus? Aus diesen Antworten lässt sich eine passende Aufteilung entwickeln. Mir wäre wichtig, dass Sie sich mit Ihrer Anlage wohlfühlen, Ihre Wünsche verwirklichen können und nicht das Gefühl haben, ständig auf die Entwicklung der Märkte schauen zu müssen. Schließlich soll das Geld Ihnen dienen – und nicht umgekehrt.
Wir sind Nähe: Zum Schluss noch so ein Begriff, der es zum Wort des Jahres schaffen könnte – Reformen. Die Kreditwirtschaft beklagt seit Jahren eine überbordende Regelungswut der Politik auch in ihrem Bereich. Sehen Sie hier derzeit Reformanstrengungen?
Asmussen: Ich glaube, dass inzwischen vielen Beteiligten klar ist, dass wir bei den regulatorischen Anforderungen genauer hinschauen müssen. Natürlich brauchen wir Regeln, die Kundinnen und Kunden schützen, die die Stabilität des Finanzsystems sichern und dafür sorgen, dass Banken verantwortungsvoll handeln. Das steht für mich außer Frage. Aber Regeln müssen auch verhältnismäßig sein und im Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen.
Gerade für regional verwurzelte Institute wie die LzO ist es wichtig, dass nicht jede Anforderung unabhängig von Größe, Geschäftsmodell und tatsächlichem Risiko gleichermaßen aufwendig umgesetzt werden muss. Wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu viel Zeit mit Dokumentationspflichten und komplexen Verfahren verbringen, fehlt diese Zeit an anderer Stelle – etwa für die persönliche Beratung oder für die Begleitung unserer Unternehmen.
Deshalb wünsche ich mir, dass Reformen nicht nur angekündigt, sondern im Alltag spürbar werden. Weniger unnötige Komplexität und klarere, praktikable Vorgaben würden helfen. Entscheidend ist dabei, dass Vereinfachungen nicht zulasten des Kundenschutzes oder der Finanzstabilität gehen. Beides muss zusammenpassen.
Bild: Der LzO-Vorstand. Foto: LzO /Assanimoghaddam


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