

Legionellen in der Leitung?
8. Januar 2026Wann die Keime gefährlich werden.
Duschen nach dem Urlaub? Lieber erst mal mit Vorsicht! Warum in ungenutzten Leitungen unsichtbare Risiken lauern können und wie Sie sich schützen.
Ob beim Duschen oder über Wasservernebler: Wer Legionellen einatmet, kann krank werden. Doch wo kommen die gefährlichen Bakterien in Wasserleitungen überhaupt her? Warum sollte man besonders nach Urlauben vorsichtig sein? Und wie wird man Legionellen wieder los? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was sind eigentlich Legionellen – und wann sind sie gefährlich?
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in feuchten Biotopen oder Gewässern vorkommen. „Sie sind ganz normal und kein Problem, solange keine massenhafte Vermehrung stattfindet“, sagt Haike Hartmann-Mühle. Sie ist Diplomchemikerin im Gesundheitsamt Groß-Gerau. Kommt es jedoch zu einem übermäßigen Wachstum, werden Legionellen zur Gesundheitsgefahr.
Das geschieht vor allem in stehendem und warmem Wasser. Denn zwischen 25 und 45 Grad Celsius finden die Bakterien optimale Vermehrungsbedingungen. Werden die Bakterien über Wasserdampf, etwa beim Duschen, eingeatmet, können sie uns schaden. Gefährdet sind Hartmann-Mühle zufolge besonders Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Raucher, Personen über 60 Jahre und Personen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen.
Eine durch Legionellen verursachte Erkrankung kann etwa das sogenannte Pontiac-Fieber sein, das einem grippalen Infekt ähnelt, oder auch die Legionellose. Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt sie als eine schwere Form der Lungenentzündung. Laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) kann sie lebensbedrohlich werden.
„Ganz generell gilt: Wasser muss fließen, und die Temperatur muss passen“, sagt Stefan Schüttler, Trinkwasserexperte und Sachverständiger bei der Prüforganisation Dekra. Dafür haben Eigentümer und Vermieter zu sorgen, aber auch Mieter. „Der Eigentümer hat dafür zu sorgen, dass mindestens 60 Grad am Warmwasserspeicher anliegen, da Legionellen oberhalb dieser Temperatur absterben. Der Bewohner ist dafür zuständig, dass der Wassertausch erfolgt“, so Schüttler. Konkret heißt das: Spätestens alle 72 Stunden sollte aus jeder Entnahmestelle Wasser laufen. Und das gilt übrigens auch im Urlaub. „Man sollte jemanden bitten, mindestens einmal die Woche das Wasser laufen zu lassen – erst heiß, dann kalt“, rät Hartmann-Mühle.
Ungenutzte Wasserleitungen seien aus trinkwasserhygienischer Sicht „eine Katastrophe“, so die Chemikerin. Wird eine Wasserentnahmestelle länger nicht genutzt, kann es in diesem Bereich zu Legionellenwachstum kommen. Und: Die Bakterien kann man weder riechen noch sehen. Nach längerer Abwesenheit empfiehlt Hartmann-Mühle deshalb: Duschkopf runterlegen, im Zweifel ein Geschirrtuch darüber und dann ordentlich heißes und kaltes Wasser laufenlassen.
Warmwasseranlagen in Mehrfamilienhäusern müssen alle drei Jahre auf Legionellen untersucht werden, wenn sie ein Speichervolumen von mehr als 400 Litern haben oder das Volumen einer der Rohrleitungen vom Trinkwassererwärmer bis zur Entnahmestelle mindestens drei Liter beträgt. „Das betrifft durchaus bereits dreigeschossige Gebäude“, sagt Hartmann-Mühle. Von der Untersuchungspflicht grundsätzlich ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser.
Beim Erreichen des technischen Maßnahmewerts von 100 Legionellen pro 100 Milliliter Wasser, sei der Inhaber der Warmwasseranlage verpflichtet, eine Risikoabschätzung erstellen zu lassen, so Schüttler. „Dann kommen Experten vorbei, die sich die Gegebenheiten vor Ort anschauen und prüfen, was ursächlich für den Befall gewesen sein kann.“
Je nachdem, was die Risikoabschätzung ergibt, kann in manchen Fällen eine einfache Temperaturanpassung genügen, um die Legionellen zu beseitigen. Es können jedoch auch bauliche Maßnahmen nötig werden. Wenn die Ursache der Legionellenkontamination beseitigt ist, kann eine Reinigung und anschließende chemische Desinfektion oder thermische Desinfektion erforderlich sein. „Beides macht der Installateur für Sie“, sagt Haike Hartmann-Mühle.
Von präventiven Maßnahmen wie Legionellenfiltern hält die Expertin indes wenig. „Diese sind nicht als Dauerlösung zugelassen. Sie reduzieren die Durchflussmenge des Wassers, was wiederum Möglichkeiten zur Einsiedlung von Mikroorganismen schafft“, sagt Haike Hartmann-Mühle. Grundsätzlich sei das Wasser, das vom Versorger geliefert wird chemisch und mikrobiologisch einwandfrei und jegliche Nachbehandlung im Haus berge ein hygienisches Risiko.
Auch Stefan Schüttler kann beruhigen: „Temperatur und Nutzung sind das A und O. Wenn die Anlage richtig funktioniert und das Wasser regelmäßig fließt, hat man in der Regel das Problem mit Legionellen minimiert.“
Foto: Federico Gambarini/dpa/dpa-tmn
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