

Immer einen Koffer in Oldenburg
12. Januar 2026LzO-Chef Michael Thanheiser geht in den Ruhestand. „Wir sind Nähe“, das Magazin der Öffentlichen Oldenburg, hat mit ihm im Interview seine Oldenburger Zeit Revue passieren lassen.
Wir sind Nähe: Nach 43 Berufsjahren gehen Sie Ende Januar in den Ruhestand. Können Sie sich an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?
Michael Thanheiser: Das war bei der Berliner Commerzbank. Die ersten drei Tage kamen wir Auszubildende zunächst in eine „innerbetriebliche Fürsorge“. Da ging es um Verhalten, Bekleidung und Ähnliches. Am vierten Tag habe ich dann in der Filiale Spandau begonnen. Der Filialleiter – damals eine enorme Respektperson – begrüßte mich mit der Bitte, ihm mal einen Auszahlungsbeleg zu geben. Ich reichte ihm prompt den falschen Beleg. Er sagte: „Da nehmen wir mal lieber den anderen Beleg, junger Mann.“ So kam ich sofort ins Kundengeschäft. Gleich mit Menschen zu tun zu haben, das hat mich fasziniert.
Im Sturm erobert
Wir sind Nähe: Seit 2012 sind Sie im Vorstand der Landessparkasse zu Oldenburg. Wie war der Start des Großstädters im eher beschaulichen Nordwesten?
Thanheiser: Ich habe sofort als neues Vorstandsmitglied diese menschenzugewandte Atmosphäre gespürt. Gleich am ersten Tag – es war der 2. Mai – wurde die Führungsmannschaft zusammengerufen, um den Neuen zu begrüßen. Es gab kleine Berliner Spezialitäten. Man hat es mir sehr leicht gemacht, hier anzukommen. Und diese menschenzugewandte Art trifft ja auf das gesamte Oldenburger Land zu. Es ist sehr lebenswert und charmant. Zusammengefasst: Die LzO hatte mich im Sturm erobert.
Wir sind Nähe: Was war in den knapp 14 LzO-Jahren ihre größte berufliche Herausforderung?
Thanheiser: Ganz klar: der Zins. Wenn der Hauptpreis deiner Ware, der Zins, quasi abgeschafft wird und zeitweise sogar negativ ist, dann ist das ein direkter Angriff auf das Geschäftsmodell von Sparkassen und Banken. Durch diese Zeit gut durchzukommen, war sicher die größte Herausforderung. Und ein zweites: Ich war gerade ein Jahr Vorstandsvorsitzender, da kam dieser Freitag, der 13. März 2020, als wegen der Corona-Pandemie quasi der Stillstand des Landes verkündet wurde. Das war wirklich beängstigend, auch weil es für eine solche Situation keine Blaupause gab.

Wir sind Nähe: Und was war in den 14 Jahren Ihre schönste Erfahrung, Ihr Highlight?
Thanheiser: Besonders freut mich, dass ich es als Vertriebsmann hier bei der LzO zusammen mit meinen Teams geschafft habe, ein nachhaltiges, gesundes Wachstum bei Kunden und Konten zu erreichen. Wir sind heute in allen drei Kundensegmente – Privatkunden, Firmenkunden, Kommunen – sehr präsent. Das war mir zuerst als Privatkundenvorstand und dann auch als Vorstandsvorsitzender sehr wichtig. Das Zweite, worauf ich gerne viel Zeit verwendet habe, war, die Kultur im Hause, die meine beiden Vorgänger etabliert haben, weiter zu entwickeln: die Menschlichkeit im Umgang miteinander. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sagen können: Ich komme gern zur LzO.
Wir sind Nähe: Sie sind mit 61 Jahren noch recht jung. Warum wollten Sie keine Verlängerung Ihres Vertrags?
Thanheiser: Den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist gar nicht so leicht. Ich habe 43 sehr intensive und auch herausfordernde Berufsjahre gehabt. Und ich habe mit Tanja-Vera Asmussen eine Stellvertreterin, die perfekt dafür geeignet ist, die Verantwortung des Vorstandsvorsitzes zu übernehmen. Als ich in meinen Körper hineingehorcht habe, hat der mir gesagt: du machst alles richtig, wenn du jetzt in den Ruhestand gehst.
Wir sind Nähe: Sie gehen zurück ins Berliner Umland, nach Potsdam. Suchen Sie Abstand zum letzten Arbeitsort?
Thanheiser: Nein, in keiner Weise. Wenn ich meine Eltern, Schwiegereltern und Kinder und Enkelkinder alle ins Oldenburger Land hätte holen können, wäre mein Hauptwohnsitz auf jeden Fall hiergeblieben. Hier zu leben, ist einfach wunderschön. Aber große Teile der Familie leben nun mal in Berlin. Und dann ist es für den anstehenden Lebensabschnitt nur vernünftig, dorthin zu gehen, wo die Familie lebt. Wir behalten aber einen zweiten Wohnsitz in Oldenburg. Wir haben also immer einen Koffer im Oldenburger Land. Potsdam ist unwesentlich größer als Oldenburg, hat ebenfalls eine mittelständische Struktur und ist wie Oldenburg Residenzstadt. Da gibt es also viele Ähnlichkeiten.
Nachfolgerin gibt gutes Gefühl
Wir sind Nähe: Sie haben Ihre Nachfolgerin bereits erwähnt. Wie würden Sie sie beschreiben?
Thanheiser: Tanja-Vera Asmussen hat zwei ganz besonders tolle Wesenszüge. Sie ist sehr erfahren und klug und in ihrer beruflichen Entwicklung immer Mensch geblieben. Mit der Kombination Herz und Verstand wird sie ihren Weg an der Spitze der LzO gehen. Mein Rat an Sie: mach es so, wie du es für richtig hälst. Und auch deshalb gehe ich mit einem guten Gefühl.
Wir sind Nähe: Und welche Bilanz ziehen Sie für sich selbst?
Thanheiser: Ich würde sagen, wir haben uns bei der LzO mit den Jahren ein sehr robustes wirtschaftliches Fundament erarbeitet. Und das ist in diesen Zeiten wichtig, um erfolgreich zu sein und Gutes tun zu können. Auch im Miteinander in der LzO sind wir ein gutes Stück weitergekommen, wie kürzlich eine Kulturbefragung im Hause ergeben hat. Und gleichzeitig gilt: man wird nie fertig.
Wir sind Nähe: Zum Abschluss würde ich gern ein kleines Spiel mit Ihnen machen. Ich nenne Ihnen zwei Begriffe und Sie entscheiden sich für einen von ihnen. Machen sie mit?
Thanheiser: Gerne.
3:2 für Berlin/Potsdam
Wir sind Nähe: EWE Baskets oder Alba Berlin?
Thanheiser: EWE Baskets
Wir sind Nähe: Zwischenahner Meer oder Wannsee?
Thanheiser: Zwischenahner Meer
Wir sind Nähe: Horst-Janssen-Museum oder Museum Barberini?
Thanheiser: Museum Barberini
Wir sind Nähe: Oldenburger Grünkohl oder Berliner Currywurst?
Thanheiser: Berliner Currywurst. Meine Frau würde den Grünkohl nehmen.
Wir sind Nähe: Oldenburger Platt oder Berline Schnauze?
Thanheiser: Berliner Schnauze.
Wir sind Nähe: Nach 2:0- Führung für das Oldenburger Land hat dann zum Schluss Berlin/Potsdam doch noch mit 3:2 die Nase vorn. Vielen Dank, dass Sie das Spielchen mitgemacht haben und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt.
Bild: Michael Thanheiser vor dem Abschied von der LzO-Spitze. Foto: Stephan Meyer-Bergfeld
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