Dächer mit roten Ziegeln und grüner Baumlandschaft im Hintergrund, mehrere Gebäude, darunter das Gasthaus Zum Zollhaus.
Land und Leute

Gastronom an historischer Stätte

3. Februar 2026

Im Hotel und Restaurant „Zum Zollhaus“ in Rastede hat mit Claas Meyer die vierte Generation das Zepter übernommen.

  

Fährt man aus Rastede (Kreis Ammerland) nach Osten auf der Kleibroker Straße hinaus Richtung Delfshausen, ist sie nicht zu übersehen: die noch recht neue Event-Location der Gastronomen-Familie Meyer. Der große Klinkerbau mit der riesigen Glasfront kurz hinter Rastedes Ortsausgangsschild ist die jüngste Erweiterung des Gastronomiebetriebs. In gut 70 Jahren haben die Meyers an dieser Stelle ihr gastronomisches Angebot ständig erweitert. Inzwischen in der vierten Generation. Aber eigentlich reicht die Geschichte noch viel weiter zurück, wie Claas Meyer erzählen kann, der den Betrieb vor zwei Jahren von seinem Vater übernommen hat.

Zweistöckiges, dunkelrotes Fachwerkhaus mit Satteldach und vielen Fenstern, umgeben von Bäumen und einer Straße.
Geschichte reicht weit zurück

„Mitte des 18. Jahrhunderts war das hier ein Zollhaus. Wer vom Ammerland in die Wesermarsch wollte, musste Wegegeld bezahlen. Schon damals konnte man hier aber auch ein Bier trinken“, weiß Claas Meyer. 1955 kauften dann Georg und Martha Meyer das Gelände. Sie starteten mit Kneipe, Tante-Emma-Laden und einer Tankstelle. 1975 übernahm mit Carla und Fred Meyer die zweite Generation. In dieser Zeit entstanden ein neues Clubzimmer und einige erste Fremdenzimmer; es gab eine größere Speisekarte, und eine Bundeskegelbahn wurde gebaut. 

„Unseren Betrieb dann zu dem gemacht, was er heute ist, hat ab 1992 mein Vater Torsten“, erzählt Claas Meyer. Das Restaurant „Zum Zollhaus“ wurde erweitert, ein Saal für Familienfeiern und Tagungen angebaut sowie 2007 ein Hotel mit Wellnessbereich und Naturteich. „Heute bieten wir 53 stilvolle Hotelzimmer, und der gesamte Betrieb wird von rund 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Laufen gehalten“, erklärt Claas Meyer.

Bild: Vor gut 70 Jahren startete hier die erste Generation der Meyers. Foto: privat

Mann mit lächelndem Gesicht steht an einer Bar, im Hintergrund Regal mit alkoholischen Getränken und Gläsern.
Schwere Corona-Zeit

Der heute 31-Jährige wurde mit dem Gastronomen-Gen geboren. Schon früh hat er „mitgearbeitet“. „Wenn das Taschengeld nicht reichte, habe ich den Hof gefegt oder in der Küche Gemüse geschnippelt.“ Doch zum Gastronomenberuf hätten ihn seine Eltern keineswegs gedrängt. Dann aber lernte er doch wie sein Vater Koch und machte anschließend noch den Hotelbetriebswirt. 2017 stieg er endgültig in den Familienbetrieb ein.

„Gastronomie ist kein leichtes und auch ein schnelllebiges Geschäft“, weiß der Junior. Richtig schwierig wurde es im März 2020 mit Corona, als die Gastronomie von einem Tag auf den anderen geschlossen werden musste. „Unser Kühlhaus war voll mit Lebensmitteln. Unser Personal mussten wir in Kurzarbeit schicken. Vier Wochen lag alles komplett brach. Dann haben wir mit einem Speisen-Außer-Haus-Verkauf begonnen. Und das lief super. Ohne die Familienfeiern aber war es trotzdem eine schwere Zeit“, erinnert sich Claas Meyer. „Doch wer vorher gut gewirtschaftet hatte, ist auch durch diese Zeit gut durchgekommen. Und der Staat hat ja auch geholfen“, betont er. Man habe nie den Mut verloren, und fast alle Mitarbeitenden seien dabeigeblieben.

Bild: Claas Meyer führt das Familienunternehmen in vierter Generation. Foto: privat

Moderne Eventlocation mit glasfrontiger Fassade, rustikaler Backsteinoptik und begrüntem Eingangsbereich.
Jüngstes Kind: die Meyerei

In dieser Zeit entstand auch die Idee einer großen Event-Location für 300 Personen auf dem Firmengelände – die „Meyerei“. „Mein Vater sagte: Ob wir mit einer Million oder vier Millionen Pleite gehen, ist egal.“ Zwei Wochen später im  Jahr 2021 rollten die Bagger an. 

Anfang 2024 dann der nächste Meilenstein in der Geschichte der Familie Meyer: Claas übernimmt von seinem Vater Torsten in vierter Generation den Staffelstab und die Geschäftsführung. „Dazu haben wir die gesamte Belegschaft zu einem Betriebsausflug auf die Aida eingeladen. Diese viertägige Kreuzfahrt von Kiel nach Kopenhagen und zurück werden wir alle nicht so schnell vergessen“, schwärmt Claas Meyer noch immer. 

Heute steht der Gastronomiebetrieb Meyer sicher auf drei Beinen: dem Restaurant, dem Hotel und den Events. Das Hotel nutzen unter der Woche viele Geschäftsreisende, am Wochenende vor allem Gäste der Veranstaltungen. Aber seit Corona bringt auch der Fahrradtourismus Gäste ins Hotel und das Restaurant. Im teilbaren Saal findet fast jedes Wochenende mindestens eine Familienfeier statt. Und in der Meyerei sowie der angemieteten Scheune St. Georg richtet man etwa hundert Hochzeiten pro Jahr aus.

Bild: Die jüngste Erweiterung: die Event-Location „Meyerei“. Foto: Klaus-Peter Jordan

Moderne Terrasse mit Holztisch, Blick auf einen glasklaren Pool und grüne Bäume im Hintergrund unter blauem Himmel.
Eigene Events

„Die Meyerei nutzen wir aber auch für eigene Veranstaltungen“, berichtet Claas Meyer. Das beginnt mit Gemeinschafts-Kohlfahrten, setzt sich fort mit Ü-40-Partys, über ein Winzerfest und ein Bayrisches Fest bis hin zu Gemeinschafts-Weihnachtsfeiern und einem Silvesterball. Aber auch kulturell-politisch sind die Meyers in ihrer Event-Location unterwegs. Hierzu werden – über eine Agentur – bekannte Persönlichkeiten zu Lesungen eingeladen. Als nächstes am 26. März Ex-Außenminister Joschka Fischer. Dann folgt die NDR-Moderatorin Bettina Tietjen. Dass diese Veranstaltungen aber keine Selbstläufer sind, musste man bei Wolfgang Kubicki von der FDP erfahren. „Statt der erwarteten 300 Teilnehmer haben wir nur rund 70 Tickets verkauft“, berichtet Claas Meyer. „Bei Gregor Gysi von der Linken hingegen hätten wir 600 Tickets verkaufen können.“

Die nächste Zeit werde eine Phase der Instandsetzung und Erneuerung, erklärt der junge Gastronom: Zimmer renovieren, neue Leitungen legen, Heizung erneuern – an vielen kleinen Schrauben drehen. Aber er habe auch Bock, Neues aufzubauen und weiter zu expandieren. Spruchreif sei derzeit aber noch nichts. 

Spruchreif beziehungsweise bereits im Werden ist aber etwas anderes: Claas Meyer und seine Frau bekommen Nachwuchs. Vielleicht ja die fünfte Gastronomen-Generation der Meyers.

Bild: Zum jüngsten Hotelbereich gehört auch ein kleiner Naturteich. Foto: privat

Oberes Bild: Restaurant und Hotel „Zum Zollhaus“. Foto: privat

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