

Landwirtschaft stärken, Ernährung sichern
3. Juni 202623. Landwirtschaftsforum der Öffentlichen Oldenburg
Rund 60 Gäste aus Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft folgten der Einladung der Öffentlichen Oldenburg zum 23. Landwirtschaftsforum. Die traditionsreiche Veranstaltung bot erneut eine Plattform für den Austausch über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Agrarbranche.
Zum Auftakt begrüßte Vorstandsvorsitzender Jürgen Müllender die Gäste und verwies auf die vielfältigen Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft derzeit steht. Neben steigenden Kosten, geopolitischen Unsicherheiten und volatilen Energiemärkten sorgen auch regulatorische Anforderungen auf europäischer und nationaler Ebene für zusätzlichen Druck auf die Betriebe.
Als Referentin konnte die Öffentliche in diesem Jahr Silvia Breher gewinnen. Die CDU-Politikerin aus dem Oldenburger Münsterland ist seit 2025 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Beauftragte der Bundesregierung für den Tierschutz. Unter dem Titel „Ernährung sichern, Landwirtschaft stärken“ gab sie Einblicke in die aktuelle Arbeit der Bundesregierung und stellte zentrale Vorhaben der Agrarpolitik vor.
Breher betonte die große Bedeutung einer leistungsfähigen Landwirtschaft für Deutschland. Herausforderungen ließen sich nicht von Einzelnen lösen, erforderten jedoch eine gemeinsame Haltung und den Willen, Veränderungen aktiv zu gestalten. Dabei sprach sie sich für eine Politik aus, die wirtschaftliche Vernunft und Heimatverbundenheit miteinander verbindet.
Landwirtschaft als Teil der Wertschöpfungskette
Ein Schwerpunkt ihres Vortrags war die wirtschaftliche Bedeutung der Agrarbranche. Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Export seien eng miteinander verknüpft und bilden eine gemeinsame Wertschöpfungskette. Gerade deshalb müsse die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt werden.
Breher ging auf verschiedene Maßnahmen der Bundesregierung ein, darunter Investitionen in innovative Antriebstechnologien, steuerliche Entlastungen sowie Initiativen zur Sicherung der Liquidität landwirtschaftlicher Betriebe. Gleichzeitig verwies sie auf die Herausforderungen durch steigende Energie- und Betriebskosten sowie auf die Notwendigkeit, politische Rahmenbedingungen verlässlich und praxistauglich zu gestalten.
Tierhaltung und Baurecht im Fokus
Besonders intensiv widmete sich die Staatssekretärin dem Umbau der Tierhaltung. Dieser sei eine der zentralen Zukunftsaufgaben der Branche. Dabei gehe es nicht nur um Tierwohlstandards, sondern auch um Investitionssicherheit für die Betriebe.
Große Aufmerksamkeit erhielt in diesem Zusammenhang die geplante Weiterentwicklung der Kennzeichnungssysteme. Breher sprach sich für mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten nachvollziehen können, unter welchen Bedingungen Lebensmittel erzeugt wurden, unabhängig davon, ob sie aus Deutschland oder dem Ausland stammen.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Baurecht. Gerade bestehende landwirtschaftliche Betriebe stehen häufig vor langwierigen Genehmigungsverfahren, wenn sie ihre Stallanlagen modernisieren oder erweitern möchten. Hier seien einfachere und schnellere Verfahren erforderlich, insbesondere wenn Investitionen dem Tierwohl dienen.
Lebhafte Diskussion mit den Teilnehmenden
Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Gäste die Gelegenheit zum direkten Austausch. Die Diskussion war geprägt von konkreten Fragen aus der Praxis und einer offenen Gesprächsatmosphäre.
Intensiv diskutiert wurden unter anderem die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, internationale Handelsabkommen sowie die Marktchancen heimischer Produkte. Breher unterstrich, dass transparente Kennzeichnungen eine wichtige Voraussetzung dafür seien, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst entscheiden können und die Leistungen der heimischen Landwirtschaft sichtbar werden.
Auch die Zukunft der Biogasanlagen spielte eine Rolle. Diese könnten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Energieversorgung leisten und seien zugleich ein bedeutender Bestandteil regionaler Wertschöpfungsketten. Die laufenden politischen Verhandlungen hierzu würden daher mit großem Interesse verfolgt.
Zuversicht trotz großer Herausforderungen
Zum Abschluss warf Breher einen Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre. Deutschland habe sich in einer langen Phase von wirtschaftlicher Stabilität und günstigen Rahmenbedingungen erfolgreich entwickelt. Heute seien die Herausforderungen komplexer geworden. Zugleich verfügt Deutschland jedoch über große Stärken, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit: „Wir sind stark geworden in einer langen Zeit des Friedens und wir werden es wieder schaffen“.
Mit diesem optimistischen Ausblick endete das 23. Landwirtschaftsforum der Öffentlichen Oldenburg. Die Veranstaltung machte einmal mehr deutlich, wie wichtig der offene Dialog zwischen Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft ist, um gemeinsam Lösungen für die Zukunft unserer Region zu entwickeln.
Bild: (von links) Vorstandsmitglied Ralf Kunze, Referentin Silvia Breher und Vorstandsvorsitzender Jürgen Müllender, Foto: Pia Marie Wenholz
Autor dieses Beitrags

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