• Flow statt Frust

    Flow statt Frust

    Wie Deadlines uns die Arbeit erleichtern

Kurz vor Abgabe einen End­spurt ein­le­gen und dann das Ge­fühl ge­nie­ßen: „Ge­schafft!“ Dead­lines kön­nen un­se­re Leis­tung im Job stei­gern. Manch­mal sor­gen sie aber nur für Stress. Wie plant man smart?

17. September 2021

Wer zur Auf­schie­be­ri­tis neigt, be­kommt oft zu hören: Set­zen Sie sich eine Frist, ar­bei­ten Sie mit Dead­lines! So weit, so gut. Aber wenn man ehr­lich ist, weiß man ins­ge­heim ja doch, dass eine sol­che Dead­line auch im Job häu­fig nicht un­auf­schieb­bar ist und nimmt sie viel­leicht nicht allzu ernst.
Auf der an­de­ren Seite: Wird eine sehr knap­pe Frist von oben fest­ge­legt, sorgt das für Stress und mit­un­ter auch für Frust. Ist es über­haupt sinn­voll, mit die­ser Me­tho­de zu ar­bei­ten? Zwei Ar­beits­for­sche­rin­nen er­klä­ren die Psy­cho­lo­gie hinter den Dead­lines.

Deadline macht's möglich: Im End­spurt zum Ziel

Hannah Schade, Mit­ar­bei­te­rin am Leibniz-Institut für Ar­beits­for­schung an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät (TU) Dortmund, sagt: Gerade in Zei­ten von Corona sei Struk­tur enorm wich­tig. Wer zu viele Frei­hei­ten hat, ver­zet­te­le sich oft leicht: „Dead­lines brin­gen Struk­tur in das Sam­mel­su­rium an To-dos.“
Außerdem er­mög­lichen Dead­lines einen End­spurt. „Wenn man weiß, dass die Ar­beit mit der Ab­ga­be zum Zeit­punkt X vor­bei ist, kann man seine Pro­duk­ti­vi­tät oft noch stei­gern“, sagt Schade. Wenn es die­sen End­punkt nicht gibt, seien Men­schen weniger produktiv.

Deadlines in Ziel­set­zung ein­betten

Allein mit dem Set­zen einer Frist ist es aber nicht getan. Grund­sätz­lich soll­ten Dead­lines in eine ge­lun­ge­ne Ziel­set­zung ein­ge­bet­tet sein, sagt Corinna Peifer, Pro­fes­so­rin für Ar­beits- und Or­ga­ni­sa­tions­psy­cho­lo­gie am Ins­ti­tut für Psy­cho­lo­gie der Uni­ver­si­tät zu Lübeck.
Dabei hilft das so­ge­nann­te SMART-Prin­zip. Die fünf Buch­sta­ben ste­hen für spe­zi­fisch, mess­bar, at­trak­tiv, rea­lis­tisch und ter­mi­niert. Es soll­te spe­zi­fisch fest­ge­hal­ten wer­den, was er­le­digt wer­den soll und wie das End­pro­dukt aus­se­hen soll. Dazu soll­ten Eck­punk­te fest­ge­legt wer­den, um das Er­geb­nis daran mes­sen zu kön­nen. Man soll­te einen Sinn in der Auf­gabe sehen, was sie at­trak­tiv macht. Und die Dead­line soll­te rea­lis­tisch ge­setzt und klar ter­mi­niert sein.
„Wichtig ist vor allem, sich nicht zu viel vor­zu­neh­men. Sonst ist eine Dead­line de­mo­ti­vie­rend, sorgt für Stress und Frust“, sagt Peifer. Die Ar­beit dür­fe for­dernd sein, auch Zeit­druck wir­ke sich zu­min­dest kurz­fris­tig durch­aus po­si­tiv auf die Leis­tung aus – aber nur dann, wenn die Auf­ga­ben trotz­dem mach­bar er­schei­nen.

Arbeiten im Flow

„Ein Sprint zwischen­durch ist okay, aber Er­ho­lungs­pha­sen sind wich­tig“, so Peifer, die auch zum so­ge­nann­ten Flow-Er­le­ben forscht. In einem sol­chen Flow tau­chen wir tief in un­se­re Ar­beit ein, sind sehr kon­zen­triert und pro­duk­tiv. Um die­sen Zu­stand zu er­rei­chen, hel­fen kla­re Zie­le, die uns op­ti­mal for­dern. Bei­tra­gen dazu kann eine rea­lis­ti­sche Dead­line, zu der wir fer­tig wer­den wol­len oder müssen.
Schade rät zu etwas, was in vie­len Be­rei­chen für mehr Ver­bind­lich­keit sor­gen kann: so­zia­le Kon­trol­le. Man kön­ne den Kol­le­gen zum Bei­spiel eine Prä­sen­ta­tion sei­ner Er­geb­nis­se vor­schla­gen, bevor man das fer­ti­ge End­pro­dukt ab­lie­fern muss. So ist auch noch Zeit, um mög­liche Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge ein­zu­ar­beiten.

Für Profis: Ar­bei­ten mit der Dop­pel­deadline

Schade em­pfiehlt außer­dem, immer einen Puf­fer ein­zu­pla­nen, „und der soll­te nicht der Feier­abend und auch nicht das Wochen­ende sein.“ Bes­ser sei es, sich selbst eine Art Dop­pel­dead­line zu set­zen, also einen Ter­min vor dem ei­gent­lichen Ab­ga­be­da­tum festzulegen.
Und dieser Puffer sollte grö­ßer sein als man viel­leicht denkt: „Man schafft nie so viel, wie man sich vor­nimmt“, sagt Peifer.
Oberes Bild: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn

Autorin

Pia Marie Wenholz

Pia Marie Wenholz

Pia Marie Wenholz ist Mit­a­rbei­te­rin der Öffent­lichen Olden­burg. Sie ist ver­ant­wort­lich für den Be­reich Pres­se und Kommu­ni­ka­tion.

Mail an "Wir sind Nähe"

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